Gymnasium Neckartenzlingen

Deutsch LKs besuchen „Heimsuchung“

Am Freitag, den 16.01.2026, trafen wir, die beiden Leistungskurse Deutsch der Jg 2, uns mit unseren Kurslehrerinnen Frau Schanz sowie Frau Roos zur Abendvorstellung im Theater der Altstadt in Stuttgart, um zu unserer aktuellen Pflichtlektüre "Heimsuchung" fürs Abitur ein passendes Theaterstück anzuschauen.


Der Roman „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck bietet eine faszinierende Reise durch mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte. Dies wird in der Theaterversion durch Kostüme, Musik, Sprache und das Verhalten der Charaktere transportiert.
Im Gegensatz zur Romanvorlage ist die Inszenierung deutlich straffer. Die Chronologie der Ereignisse weicht gelegentlich vom Buch ab und wurde neu strukturiert.
Beispielsweise beginnt und endet die Aufführung mit derselben Szene, die im Nachhinein einen starken Rahmen schafft. 
Jeder Hauptcharakter erhält Raum, seine eigene Geschichte, in Form eines Monologs, zu erzählen. Während im Hintergrund die Geschichte lautlos weiter geht.
Die Darstellung ist im großen Ganzen zusammengefasst. Beispielsweise tritt der Gärtner nicht zwingend nach jeder Charakterstudie auf, sein Verhalten wird teilweise durch andere Figuren beleuchtet. Der Gärtner, nebenbei bemerkt, wird nicht männlich, wie im Buch beschrieben, besetzt, sondern wird von einer Schauspielerin verkörpert. Durch diese Wechsel (Männerrollen von Frauen gespielt und andersherum), auch am Beispiel anderer Figuren, bekommt die Gefühlswelt der einzelnen Figuren eine ganz andere Wirkungsweise, um zum Beispiel Verwirrtheit oder ähnliches zu transportieren.
Die Inszenierung wählt eine eigene, meist nicht-lineare Erzählweise. Sie fokussiert sich auf die Entwicklung der Figuren von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart, wobei der eigene Blickwinkel der Charaktere im Vordergrund steht. Als Zuschauer kann man dadurch auch leichter mit den Charakteren mitfühlen.
Der historische Hintergrund wird mal stärker, mal schwächer in die Handlung integriert, das die persönliche Betroffenheit der Figuren im Wandel der Zeit hervorhebt. Beispielsweise mit der kleinen Doris, die im Warschauer Ghetto ums Leben kam. Dabei spielt auch der gezielte Einsatz von Requisiten und einer Stimme aus dem Off eine große Rolle, um eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

Alles in allem war der Theaterbesuch ein voller Erfolg. Die Inszenierung gelingt es, die Komplexität von Erpenbecks Roman auf die Bühne zu bringen, indem sie die persönlichen Schicksale vor dem Hintergrund historischer Brüche fokussiert. Die neu geordnete Erzählstruktur, die den Anfang und das Ende spiegelt, wirkt sehr stark und gibt dem Ganzen einen runden Abschluss. 
Eine gelungene Inszenierung, die durch die Fokussierung auf die individuellen Lebenswege und die kreative Nutzung von Bühnenbild und Musik die „Heimsuchung“ der Geschichte spürbar macht. Definitiv sehenswert für das Abitur!

Lana Schmidt, JG II

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