Gymnasium Neckartenzlingen

Gymnasium Neckartenzlingen

Ganztägig leben und lernen am Gymnasium Neckartenzlingen

Das Gymnasium Neckartenzlingen stellt sich der Herausforderung, die die flächenhafte Einführung des achtjährigen Gymnasiums und die veränderten gesellschaftlichen Entwicklungen mit sich bringen und bietet die offene Ganztagesschule an.

1. Situation

Das Gymnasium Neckartenzlingen liegt in einem ländlichen Einzugsgebiet im Pendelumkreis von Stuttgart. Ein großer Anteil unserer Schülerschaft wohnt nicht am Ort und ist auf den Bustransport an die Schule und zurück zum Wohnort angewiesen. Aus diesem Grund wurde an unserer Schule schon im Jahr 1992 mit großem ehrenamtlichen Engagement der Eltern eine Mensa eingerichtet, die bis heute vom Mensaverein betrieben wird. Elterngruppen kochen in dieser Mensa für die SchülerInnen und LehrerInnen und tragen damit wesentlich zum guten Schulklima des Gymnasiums Neckartenzlingen bei.
Seit Einführung von G 8 stellt sich durch den erhöhten Bedarf des Unterrichts am Nachmittag die Notwendigkeit, diesen in ein sinnvolles Konzept zu kleiden. Die vermehrten Klagen von Eltern, die Kinder müssten noch spät am Abend ihre Hausaufgaben erledigen, führten zum Nachdenken darüber, wie die Hausaufgaben in den Schulalltag zu integrieren sind.
Auch die sich verändernden Familienstrukturen und die Berufstätigkeit beider Elternteile fordern einen erhöhten Betreuungsbedarf. Anstatt Kinder zu Hause sich selbst zu überlassen, sollen sie in der Schule ein qualifiziertes Angebot erhalten, um ihre persönliche Entwicklung, ihr selbständiges Lern- und Arbeitsverhalten und ein aktives Freizeitverhalten zu fördern. Die Einbettung des Fachunterrichts in den Unterricht ergänzende Angebote und selbständige Lern- und Arbeitsphasen lässt sich am besten verwirklichen durch eine sinnvolle Ausgestaltung des Ganztages, o wird Schule zum Lebensraum.
Gebunden bleibt dieses Konzept an die Gegebenheiten der Schülerbeförderung, um den zahlreichen Fahrschülern unserer Schule unnötige Wartezeiten zu ersparen.

2. Zielsetzungen

Ziel und Anspruch schulischer Bildung ist es, „junge Menschen in der Entfaltung und Stärkung ihrer gesamten Person fördern“ (Hartmut von Hentig, Einführung zum Bildungsplan 2004, S. 9). Bei der Erreichung dieses Zieles hebt von Hentig didaktische und methodische Prinzipien wie Handlungsorientierung, Eigenverantwortung, aktiv-entdeckendes Lernen, aber auch eine sinnvolle Rhythmisierung, der Erwerb von Lernstrategien und außerschulische Erfahrungen hervor. Die Angebote der offenen Ganztagesschule sollen im besonderen Maße dazu dienen, die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler zu unterstützen, indem sie Raum schaffen für die Realisierung und Erweiterung der genannten Prinzipien im Schulleben.
Diese Anstrengung ist umso notwendiger, als es vielen Schülern schwerfällt, eine sinnvolle Strukturierung des Nachmittags ohne die Hilfe eines anwesenden Erwachsenen zu leisten. Unter veränderten familiären Bedingungen wie Berufstätigkeit beider Eltern oder alleinerziehenden Elternteilen konkurrieren Hausaufgaben, sportliche, musische oder soziale Aktivitäten mit Computer und Fernsehgerät. Das offene Ganztagesangebot soll deshalb Schüler bei der Gestaltung eines aktiven Freizeitverhaltens unterstützen.
Im Leitbild des Gymnasiums Neckartenzlingen und der daraus resultierenden Schulvereinbarung wird großen Wert auf die aktive Mitgestaltung des Schullebens durch Schüler, Lehrer und Eltern gelegt. Durch die offene Ganztagesschule möchte die Schule den Raum für alle am Schulleben Beteiligten erweitern, sich aktiv und kreativ ins Schulleben einzubringen.

3. Rahmenbedingungen der Offenen Ganztagesschule

Die Ganztagesschule in offener Form gewährleistet eine Betreuung an 3 bis 4 Tagen in der Woche (Mo – Do) von 7.45 bis 15.25 Uhr. Die Inanspruchnahme ist freiwillig. Eine verbindliche Anmeldung ist nur für einzelne Unterrichtsergänzende Angebote (AGs) erforderlich und erfolgt in der Regel für ein Schuljahr.
Für alle Schüler stehen die spontanen Angebote zur Verfügung, die vornehmlich in der Mittagspause stattfinden und keiner Anmeldung bedürfen. Ebenfalls nach Bedarf kann die Hausaufgabenbetreuung besucht werden, eine verbindliche Anmeldung ist hier nicht vorgesehen.
Angebote, die über den von Lehrern abgedeckten AG-Bereich hinausgehen, werden von Eltern, Schülermentoren oder Jugendbegleitern erteilt oder in Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartner wie beispielsweise den Kirchen, Vereinen oder der Jugendmusikschule gestaltet. In der Regel sind die Angebote kostenfrei.

4. Rhythmisierung und Stundentafel

Das schon seit vielen Jahren an unserer Schule übliche Doppelstundenmodell mit zwei langen Pausen am Vormittag sowie der Mittagspause gliedern den Schulalltag. Dabei ist der Wechsel von sprachlich-geisteswissenschaftlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern anzustreben. Der Schultag ist durch das Doppelstundenmodell für Lehrer und Schüler weniger „zerstückelt“, längere Einheiten führen zu einer größeren Ruhe und ermöglichen eine vertiefte Beschäftigung mit den Lerninhalten. Ein zentrales Anliegen unserer Schule ist es, immer wieder die Schüleraktivität in den Mittelpunkt des Unterrichtgeschehens zu stellen. Die 90-Minuten Einheiten eröffnen die Möglichkeit zu mehr methodischer Vielfalt und im Wechsel mit eher lehrerzentriertem Unterricht zu intensiven Phasen der Eigentätigkeit.
In den Pausen ist es wichtig, den Schülern Sport-  und Bewegungsangebote zu machen. Die  Schüler können in der Pause Spielgeräte ausleihen, auf der Wiese Fußball spielen oder am Boulderpilz klettern. Dieses Bewegungsangebot ist in der Mittagspause durch die von Jugendbegleitern betreute Spielestation deutlich erweitert. Für das verstärkte sportliche Angebot auch am Nachmittag wird dringend eine weitere Sporthalle oder ein Gymnastikraum benötigt.  

5. Jugendbegleiter

Am Gymnasium Neckartenzlingen wurden bereits im Schuljahr 2009/10 Schüler der Klassenstufen 9-12 zu Jugendbegleitern qualifiziert. Die Jugendbegleiter betreuen die Spielestation, organisieren die Ausleihe und leiten jüngere Schüler beim Spielen an. Außerdem leitet eine erwachsene Jugendbegleiterin den praktischen Betrieb der Spielestation. Im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms werden außerdem auch AG-Angebote realisiert. Seit 2009 sind zwei Lehrkräfte als Ganztageskoordinatoren benannt, die in jedem Schuljahr mit den Jugendbegleitern  die gemeinsame Arbeit planen, reflektieren und weiterentwickeln. Dafür steht zu Beginn des Halbjahres je ein Halbtag zur Verfügung, bei Bedarf werden kürzere Dienstbesprechungen in der großen Pause anberaumt.

6. Kooperation Schule- Verein

Das Gymnasium Neckartenzlingen bietet in Kooperation mit dem Tischtennisverein Neckartenzlingen einmal in der Woche ein Tischtennistraining für die Schüler an, nach Möglichkeit wird auch die Kooperation mit dem Schachverein Neckartenzlingen weitergeführt. In jedem Schuljahr werden Ort und Zeit der AG in einem gemeinsamen Gespräch zwischen den Ganztageskoordinatoren und den Vereinen festgelegt.

7. Unterrichtsergänzende Angebote

Die Unterrichtsergänzenden Angebote erstrecken sich vor allem auf die 7., 8. oder 9. Stunde und sind generell für alle Schüler offen. Einzelne Angebote können auch bestimmten Klassenstufen zugeordnet sein. In jedem Jahr werden die Angebote durch die AG-Liste in Aushängen, Homepage und Elterninfo bekannt gemacht.

a) Anmeldung und regelmäßige Teilnahme Voraussetzung:

Wechselnde Arbeitsgemeinschaften im technischen, sportlichen, sozialem, musischen, und kreativen Bereich: z.B. Solar-AG, Informatik-AG, Modellbau, Elektronik-AG, Chemie-AG, Bienen-AG, Spanisch-AG, Stups, Streitschlichter, Chor, Orchester, Jazzband, Flöten-AG, Band-workshop, Theater-AG, Yoga, Jonglieren, Tanz-AG, Tennis-AG, , Kletter-AG, Kreativ-AG, Bühnenbild-AG,…
SMV- Angebote, z.B. Powerpoint-Kurs, Radio-AG, homepage-AG, Schülerzeitung, Unterstufen-Referat…
Kooperationen mit außerschulischen Partnern  z.B. Musikschule, Sportverein, Kirchen,… eventuell fallen hier Kosten an.

b) spontane Angebote (v.a. Pausenangebote zwischen 12.00 und 14.00 Uhr)

keine Anmeldung nötig, regelmäßige Teilnahme wünschenswert, z.B.:
Sport und Bewegung in der Mittagspause (Bouldern, Ballspiele, Tischtennis, …)
Betreute Spielestation: Brettspiele, Pausenhofspiele, Jonglage, Pedalo…
Schüler-Bibelkreis
(Vor-)Lesekreis

c) Hausaufgabenbetreuung (HAB)/ Studierzeit

Während der beaufsichtigten Öffnungszeiten steht die Bibliothek allen Schülern zur Erledigung der Hausaufgaben,  als „Studierzeit“ zum Üben und Vertiefen des Unterrichtsstoffs oder zur Erarbeitung eines Referats oder GFS zur Verfügung. Der Besuch der HAB ist ohne Anmeldung möglich (angebotene Zeiten).
Die Schule unterstützt außerdem die Vermittlung von Oberstufenschülern, die in verschiedenen Fächern privat Nachhilfeunterricht erteilen.

8. Mensa

Fester Bestandteil für eine Schule mit Ganztagsbetrieb ist die Möglichkeit, ein Mittagessen anbieten zu können. Wir sind in der glücklichen Lage, dass bereits seit über 18 Jahren der „Mensaverein“ eine Schülermensa für unser Schulzentrum betreibt. Hier kochen Eltern und Lehrer ehrenamtlich täglich ein gesundes und schmackhaftes Mittagessen zu einem sehr günstigen Preis. Die Schüler können zwischen einem Hauptessen, einem vegetarischen Essen oder einem großen Salatteller wählen. Suppe, Beilagensalat, Nachspeise, Kuchen, Apfelschorle, Sprudel, Schokolade und Kaffee runden das Angebot ab. Eine Anmeldung ist für die Mensa nicht notwendig. Neben der ausgewogenen und gesunden Ernährung ist die Mensa auch ein sozialer Treffpunkt. Lehrer und Schüler stehen in der gleichen Schlange und sitzen am gleichen Tisch, Gespräche mit Köchinnen und Köchen fördern den Kontakt mit der Elternschaft.
Eine Vergrößerung der Mensa wurde bereits wegen des verstärkten Nachmittagunterrichts in G 8 notwendig und ist inzwischen realisiert. Die Schule erhofft sich, dass sich durch eine schnellere Ausgabe der Speisen die Wartezeiten verkürzen und wieder alle Schüler, die dies wünschen, ein warmes Essen erhalten können. Nicht zuletzt wurden durch die längst überfällige Vergrößerung der Küche die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich die ehrenamtlichen Eltern bei ihrem Einsatz für die Schule zumutbare Arbeitsbedingungen vorfinden und mit angemessener Ausstattung arbeiten können.

9. Räume

Selbstverständlich bedarf es zum Gelingen eines Ganztagesangebots auch entsprechender räumlicher Voraussetzungen. An dieser Stelle sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit vor allem Räume für Bewegungsangebote, Ruhe- und Rückzugsräume sowie Gruppenräume zu nennen, in denen Gruppenarbeit, Stillarbeit oder Vorleseangebote stattfinden können. Der Umbau der Bibliothek hat hierfür erste Voraussetzungen geschaffen.

10. Evaluation

Nach Einführung des Ganztagesangebotes möchte das Gymnasium Neckartenzlingen bewusst Erfahrungen mit den neuen Angeboten sammeln und in der Weiterentwicklung des Konzepts die Wünsche des Kollegiums, der Schüler und Eltern einbeziehen. Wir möchten in den ersten Jahren des Ganztagesbetriebs überprüfen, welche Vor - und Nachteile sich in der Praxis ergeben und zu gegebener Zeit entscheiden, ob die inhaltlichen Angebote, der Anmeldemodus und die zeitliche Verortung beibehalten oder verändert werden soll.
2009 wurde in der Schüler- und Elternschaft erhoben, welche Arten von Angeboten im Rahmen der Ganztagesschule gewünscht werden. Dabei wurde von beiden Gruppen hauptsächlich sportliche Angebote genannt. Die angespannte Hallensituation ließ jedoch wenig Handlungsspielraum in diesem Bereich zu, gezielt wurden jedoch Angebote eingerichtet, die auch auf dem wenig genutzten Mattenboden realisiert werden können, wie Tanz- und Hip-Hop-Ag oder die Tischtennis-AG oder Angebote, die zumindest halbjährig im Freien stattfinden können.
2010 wurde der Betrieb der Spielestation durch die Jugendbegleiter evaluiert. Hauptergebnisse waren, dass die Schülerinnnen und Schüler vor allem Spiele ausleihen möchten und vorstrukturierte Angebote kaum wahrgenommen werden. Außerdem wurde der Raum als zu klein für den Betrieb erachtet. Als Konsequenzen wurde die Spielestation als reine Ausleihstation neu konzipiert, punktuell werden jedoch am Donnerstag im sogenannten „Spieleatelier“ strukturierte Angebote gemacht (z.B. Kürbiswettbewerb, Tischtennisturnier etc.). Außerdem wurde ein Raum in Eigenleistung umgebaut und eingerichtet und steht seit 2011 als neue und größere Spielestation zur Verfügung. Da die Spielestation sehr gut angenommen wird, ist auch dieser Raum inzwischen deutlich zu klein, ein verbessertes Raumangebot wird für die Zukunft als dringend notwendig erachtet.

Annette Thaler und Sabine Schmidt

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