Gymnasium Neckartenzlingen

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„Berlin ist, wenn ich nicht mehr ich bin sondern icke“

Die Berliner Morgenpost veröffentlicht jeden Tag die Meinung eines Berliners zu seiner Stadt. Auch die Schüler der Klasse 10d könnten sich jetzt aktiv daran beteiligen, denn sie statteten unserer Hauptstadt vom 24. bis zum 28. Juni 2014 einen Besuch ab und konnten viele Gesichter dieser Stadt kennen lernen.

„Berlin ist, wo deutsche Geschichte lebendig wird.“ Berlin als historischen Schauplatz erkundete die Klasse z.B. selbstständig, geführt von einem GPS-Gerät entlang der Bernauer Straße, wo heute viele Gedenkstätten, Mahnmäler und Ausstellungen von der ehemaligen Trennung der Stadt in Ost- und Westberlin erzählen. Auch dem Check Point Charlie wurde ein Besuch abgestattet.

Besonders beeindruckt und auch erschüttert waren die Schüler vom ehemaligen Gefängnis der Staastsicherheit (Stasi) in Hohenschönhausen. Bei einer interessanten Führung erfuhren sie viel über den Überwachungsapparat des DDR-Regimes und konnten live sehen, unter welchen Bedingungen tausende Menschen damals eingesperrt wurden, ohne zu wissen, wo sie eigentlich waren und vor allem warum. Ein geflüsterter Witz in das falsche Ohr konnte ausreichend sein, um hinter den Mauern des Gefängnisses zu verschwinden. Ergänzt wurde dieser Programmpunkt durch einen Besuch im Stasi-Museum, in dem vor allem die teilweise abstrusen Verstecke für Überwachungstechnik bestaunt wurden. Sogar in Gießkannen, Nistkästen, hohlen Baumstämmen und Mülleimern versteckte die Stasi sich Kameras zur Überwachung der DDR-Bürger. Man war damals nicht nur eingemauert, sondern auch noch unter ständiger Beobachtung.

Auch strömender Regen hielt die Klasse 10d nicht davon ab die zum Nachdenken anregende Architektur des Denkmals für die ermordeten Juden Europas zur Zeit des Nationalsozialismus zu erkunden. In der zugehörigen Ausstellung unter dem Stelenfeld sorgten die vielfältigen Ton-, Bild- und Textdokumente von verfolgten, verschleppten und ermordeten Juden für Erschütterung. Die Auseinandersetzung mit den persönlichen Einzelschicksalen von Kindern, Jugendlichen und ganzen Familien, von denen zum Teil nur noch ein einzelnes Foto in dieser Ausstellung zeugt, berühren jedes Jahr tausende Besucher und so auch unsere Schüler.

Auch den Spruch „Berlin ist, wo die große Politik in Deutschland passiert“ konnten die Schüler hautnah erleben. Auf Einladung des Abgeordneten Michael Hennrich (CDU) erkundeten sie den Bundestag. Nach einem Gespräch mit dem Abgeordneten konnte die Klasse sogar einen Teil der Debatten zum Verteidigungsetat und zum Haushalt für Entwicklungshilfe verfolgen. Den krönenden Abschluss bildete ein Rundgang durch die Reichstagskuppel, von der man theoretisch einen herrlichen Blick über Berlin hat – wenn es nicht gerade eine kräftige Husche (Regen) gibt, wie der Berliner sagt.

Auch für individuelle Wünsche war Platz im Programm. Die Begleitlehrerinnen Frau Schwarz und Frau Haberland, sowie einige Schüler boten an einem Nachmittag ein vielfältiges Programm an. So wurden der Berliner Zoo, das Computerspielmuseum, das medizinhistorische Museum der Charité und das Pergamonmuseum erkundet. Natürlich konnte man auch der Fanmeile zum WM-Spiel Deutschland gegen die USA einen Besuch abgestatten, wo man sich ganz berlinerisch dufte und mit viel Feez die Beene in'n Bauch stehen konnte.

Das große Highlight erwartete die Schüler am Abend, bevor es mit dem Zug wieder nach Hause ging. Berlin ist fast vollständig „unterkellert“ mit (Geister)Bahnhöfen, Versorgungsschächten, Lagerräumen und auch Bunkeranlagen. Die Luftschutzanlage unter dem Bahnhof Gesundbrunnen wurde der Klasse von einem Bauhistoriker, der sich im Verein Berliner Unterwelten e.V. engagiert auf heitere, aber auch ernste Art und Weise in einer Führung näher gebracht, die so spannend war, dass selbst schmerzende Füße, Hunger und Beklemmungen mehrere Meter unter der Erde für 1,5 Stunden vergessen waren. Zum Abschluss konnten die Schüler einen Nachbau einer in bzw. unter Berlin in der Vergangenheit verbreiteten Kommunikationstechnik bestaunen: die Rohrpost.

Viele weitere Attraktionen, wie das Brandenburger Tor, das Schloss Bellevue und die Siegessäule und natürlich eine original Berliner Currywurst standen ebenfalls auf dem Programm. Nach ca. 50-60 gelaufenen Kilometern in 5 Tagen und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck fuhren die Schüler schließlich nach Hause und vielleicht empfing sogar der ein oder andere von ihnen am Bahnhof in Nürtingen die Eltern mit „Ick bin wieder da!“.

Marie-Christin Haberland

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